Einige ausgewählte Anmerkungen zu „Tiere sind ein Zweck an sich“ Drucken E-Mail

 

Einige ausgewählte Anmerkungen zu „Tiere sind ein Zweck an sich“
DER SPIEGEL 6/ 3. 2 14
https://magazin.spiegel.de/digital/index_SP.html#SP/2014/6/124838668


Man spürt es in jedem Satz der beiden SPIEGEL-Reporter, dass sie ihre persönlichen Wertvorstellungen in Gefahr sehen, dass sie fürchten, vor einem moralisch-logischen Gedankengebäude zu stehen, das so ganz anders ist, als das, was sie bisher für richtig und moralisch relevant hielten. Elke Schmitter und Romain Leick sind anthropozentrische Sichtweisen gewöhnt, nun droht ein Schritt in unbekanntes philosophisches Land, in das Land der generellen Ehrfurcht vor dem Leben, ein Schritt, den die Publizistin Hilal Sezgin vorgezeichnet hat.
„Moralische Werte und Gesetze verändern sich mit der Zeit“ lautet eine ungläubige Frage der Redakteure. Ja, natürlich verändern sich diese Normen, passen sich an, laufen synchron zur wissenschaftlichen Erkenntnis, zur Weiterentwicklung der Empathie, zur Weiterentwicklung menschlicher Ethik. Die Moralvorstellungen vor tausend Jahren hatten andere Fundamente als die Vorstellungen vor zweitausend Jahren und die wiederum andere als die vor dreitausend Jahren. Würden sich moralische Werte nicht ändern, müssten wir unterstellen, dass sie einstmals quasi vom Himmel gefallen sind und für alle Zukunft unverändert Gültigkeit haben, also ein unveränderliches physikalisches Naturgesetz der Moral. Wenn es keine Weiterentwicklung der Moral gäbe, wir eine statische Moral hätten, gäbe es auch keine Höherentwicklung der Menschheit. Oder besteht die Abschaffung der Sklaverei aus etwas anderem, als aus einer moralischen Verbesserung, aus einem Fortschritt in der moralischen Entwicklung?

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Zu Gast in Glaubenswelten Drucken E-Mail

von Harald Hoos


Mehrere Male umkreise ich mit dem Auto den Dom zu Speyer bei meiner Parkplatzsuche. Es ist Samstagabend, der 9. November 2013. Die domnahen Parkplätze sind mit SUVs belegt, eben diese Fahrzeuge, die in Jagdgegnerkreisen auch gerne als Jägerschleudern bezeichnet werden. Die einen kommen wohl frisch aus der Waschstraße, die anderen haben noch den Schlamm an den Rädern und Radkästen, die von nicht allzu lange vergangenen Mordtouren zeugen.
Imposant und irgendwie majestätisch ragt der Dom in den Abenddämmerungshimmel. Kurz geht mir der Gedanke durch den Kopf, dass – hätte ein solches Gebäude eine Seele und ein Gewissen – aus Groll sich sicher Risse im Gemäuer auftun oder es vielleicht in sich zusammenfallen würde, könnte dieses Prachtgemäuer nachvollziehen, was in den kommenden Stunden sich in seinem Bauch abspielen wird. Während ich einparke, zieht ein in lodengrün gekleidetes Ehepaar an meinem Auto vorbei.
Um den Dom wuseln grün gekleidete Menschen, einige mit Jagdhorn über der Schulter und strömen durch das Eingangsportal. Nein, die Gedanken, ...
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Ponykarussell: Eine Frage des Umgangs mit Tieren Drucken E-Mail


In Landau startet heute der Herbstmarkt. Mit von der Partie ist – wie schon seit vielen Jahren beim Mai- bzw. Herbstmarkt – ein Ponykarussell. Die Tiere tragen den ganzen Tag den Nachwuchs der Marktbesucher stupide im Kreis, stehen im Raudau und Trubel zwischen den anderen Fahrgeschäften.

Seit Jahren hagelt es Kritik von Tierschützern, wobei man eigentlich kein passionierter Tierschützer sein muss, um hier Mitleid für die Tieren zu empfinden. Jedes Jahr zweimal das selbe Spiel: Der Amtsveterinär kontrolliert die Haltungsbedingungen und diese scheinen ok zu sein. Dies wird nun auf Grund der aktuellen harschen Kritik in den ortansässigen Medien kundgetan – DIE RHEINPFALZ veröffentlichte aktuell einen langen Bericht. Die wahr werdenden Kinderreitwünsche ...
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Die Menschheit ist ernsthaft bedroht! Drucken E-Mail

Weltuntergangsszenarien kursieren, Bedrohungen sind allgegenwärtig. Esoteriker prophezeien immer wieder die Auslöschung der Menschheit durch eine außerirdische Intelligenz oder durch sonstige kosmische Katastrophen. So löste der scheinbar endende Mayakalender Ende 2012 bei vielen Menschen Panik aus, dass es das Ereignis in alle Medien schaffte. Auch irdische Szenarien verbreiten immer wieder Panik – ob mit einem realen Hintergrund oder nicht sei dahingestellt. Krankheiten, Seuchen und Pandemien gehören genauso dazu, wie alle Facetten, die dem Klimawandel zugeschrieben werden oder auch andere menschenverursachte Schieflagen. Fukushima oder Tschernobyl waren sehr reale Warnungen an die gesamte Menschheit was deren Möglichkeiten des Fortbestehens betrifft.

Doch eine nicht zu unterschätzende Gefahr lauert meist im Verborgenen, tarnt sich gut, agiert dämonisch und zeigt – oftmals ...
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Ilse Aigner bekundet ihre Begeisterung für die Jagd Drucken E-Mail

Dass Jagd nicht auf der Grundlage einer Notwendigkeit und sachlicher Fakten stattfindet, braucht an dieser Stelle nicht erneut erörtert zu werden. Es genügt offensichtlich die tumbe Begeisterung einer Bundeslandwirtschaftsministerin, um Tiermassaker in Wald und Flur zu rechtfertigen.
Eigentlich sind die Tiere die Schutzbefohlenen eben dieser Frau Aigner. Ihre vornehmste Aufgabe sollte sein – da ihren Ressort der Tierschutz untersteht – Tierleid zu vermeiden, das Leben der Tiere zu schützen und deren Lebensraum zu bewahren. Aber weit gefehlt.
Welchen Aufschrei würde es wohl auslösen, wenn ihre Kollegin Kristina Schröder, die Familienministerin der Bundesregierung, sich plötzlich für Prügelstrafe, für Kindesmisshandlung einsetzen würde und mit der Forderung, alle Kindergärten abzureißen, um die Ecke käme. Nicht auszudenken, welche Empörungswelle ...
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Ist das Kunst oder kann das weg? Drucken E-Mail

Gedanken zu dem „Orgien Mysterien-Theater“ des Hermann Nitsch


Kunst muss nicht der Mehrheit gefallen. Kunst muss nicht durch die Mehrheit verstanden werden. Kunst ist kein Massenprodukt. Kunst darf individuell, exzentrisch und schräg sein. Kunst darf provozieren. Darf Kunst alles?

Das ist eine Frage, die seit geraumer Zeit intensiv diskutiert wird. Die Empörung ist groß, die Wogen überschlagen sich. Im Zuge seines „Orgien Mysterien-Theater“ will der umstrittene österreichische Künstler Hermann Nitsch am 22. Juni 2013 in Leipzig auf der Bühne Tiere ausweiden, mit Innereien und Gedärmen rumsudeln und eine seiner bereits bekannten Blutorgien veranstalten. Der Künstler Nitsch sagt, „das Orgien Mysterien-Theater ist ein Gesamtkunstwerk, Inszenierungen von realen Geschehnissen beanspruchen alle fünf Sinne. Das Wort wird nicht mehr benötigt“. Was möchte der Künstler dem Zuschauer sagen?
Allen vorneweg sind Tierrechtler und Tierschützer auf der Palme, aber auch in anderen Bevölkerungskreisen ohne besondere Affinität zum Tierschutz regen sich laute Stimmen. Die Tiere sollen nicht auf der Bühne geschlachtet werden, aber ihr Tod dient nur der Kunst. Denn die Veterinär- und Lebensmittelaufsicht hat jede weitere Verwertung in Hinsicht auf Verzehr usw. untersagt. Ist das Kunst? ...

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Der Jäger als Retter der Natur und Wohltäter der Menschen Drucken E-Mail


Der Jäger als Retter der Natur und Wohltäter der Menschen

Das Bild des Jägers in der öffentlichen Sichtweise glich, romantisch verklärt durch Filme á la  „Der Förster vom Silberwald“, in den ersten Jahren nach Kriegsende dem Bild eines  knorrigen, unbeugsamen Wächters über Wald und Tierwelt. In seiner schmucken Uniform, die dem Jäger selbst am meisten half, den gedanklichen Übergang aus der Göringschen Heger- und Pfleger-Philosophie in die demokratische Nachkriegszeit zu erleichtern, präsentierte er sich als Respektsperson, der in seinem Revier jedes Tier persönlich kannte und nur alte und kranke Rehlein durch einen Gnadenschuss von ihren Leiden erlöste. Ein wahrhaft guter Mensch, ein Tierfreund schlechthin.
Aber die Zeiten änderten sich. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entstand in weiteren, meist betuchteren Bürgerschichten das Verlangen, aufgestaute Destruktionstriebe legal ausleben zu können und dabei parallel die vertraute geistige Uniformierung faschistoider Traditionen weiter zu pflegen. Was lag näher, als sich den Jägern anzuschließen, boten sie doch die gewünschten geistigen und optischen Voraussetzungen. Die Jagdverbände wurden nun zusehends von dem begüterten Bürgertum unterwandert, zumal diese Herrschaften dann ihren Sonderstatus durch großvolumige Geländewagen sogar auf Waldwegen zeigen dürfen, nachdem Golf und Tennis zum Massensport verkommen sind.

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Sind Jäger Rassisten? Drucken E-Mail

Dass Jäger ein tief gestörtes Verhältnis zu Tieren haben, welches partiell als krankhaft bezeichnet werden kann, wurde schon oft und ausführlich erörtert. Genauso ausführlich wurde erörtert, welchen  Stellenwert die totale Machtausübung über Leben und Tod im Charakter eines Jägers hat.
Erschreckend scheint mir darüber hinaus aber die Tatsache, dass in der lodengrünen Fraktion ein tief verwurzelter Rassismus und eine Fremdenfeindlichkeit in Bezug auf Tiere zu erkennen sind.
Tiere, die zuwandern – in der Fachsprache Neozoen genannt –, stehen auf der Abschussliste ganz oben. Denken wir stellvertretend nur an die Kormorane aus Donauregionen oder die Waschbären aus Nordamerika. Es wird immer wieder betont, dass diese Tiere hier nicht heimisch sind ...
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Kleine feine intakte Jägerwelt Drucken E-Mail


Eine Provinzposse, die den Titel „Kleine feine intakte Jägerwelt“ tragen könnte, wurde am 17. Dezember 2012 in dem kleinen, beschaulichen Dorf Rehweiler im Landkreis Kusel gegeben. Was war geschehen?

Es gab Ärger um die Jagd. In Rehweiler regten sich ein paar Bürger auf; bei einer Treibjagd hat es Zwischenfälle gegeben. Ein Kind wurde verletzt, als seine Mutter es auf den Arm nahm, um vor einem Wildschwein zu flüchten und in der Hektik samt Kind stürzte. Dann war da noch das zahme Kaninchen, das in einer Sielung lebte und plötzlich verletzt dasaß und laut Tierarzt eine Ladung Schrot im Körper hatte, ...
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Frühjahrsmesse Kassel: In der Nachbarschaft der Jäger Drucken E-Mail

img_5508.jpgDie Frühjahrsmesse Kassel ist beendet. Im Rahmen des Aktionsbündnis Jagdfreie Natur hatten sich unter der Regie der Anti-Jagd-Allianz e.V. die Partei Mensch Umwelt Tierschutz und pro iure animalis sich mit einem gemeinsamen Informationsstand in der Halle 5 präsentiert. Ebenfalls in der Halle 5 – in Sichtweite – haben sich Jagdvereine aus dem Raum Nordhessen präsentiert.

Diese Konstellation lässt Spannungen in der Halle 5 vermuten. Der Vorwurf der Provokation ...
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Einige Zitate zum Antinatalismus

 

Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie

Es geht die alte Sage, dass König Midas lange Zeit nach dem weisen Silen, dem Begleiter des Dionysus, im Walde gejagt habe, ohne ihn zu fangen. Als er ihm endlich in die Hände gefallen ist, fragt der König, was für den Menschen das Allerbeste und Allervorzüglichste sei. Starr und unbeweglich schweigt der Dämon; bis er, durch den König gezwungen, endlich unter gellem Lachen in diese Worte ausbricht: »Elendes Eintagsgeschlecht, des Zufalls Kinder und der Mühsal, was zwingst du mich dir zu sagen, was nicht zu hören für dich das Ersprießlichste ist? Das Allerbeste ist für dich gänzlich unerreichbar: nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist für dich – bald zu sterben.

 

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